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Maximilian
Stenzer
Er
hat es leider nicht geschafft seine Krankheit zu besiegen.
Du
wirst uns immer als Freund in Erinnerung bleiben!
Wir
sprechen der Familie unsere Anteilnahme aus.
Die
Beerdigung ist am Donnerstag um 14 Uhr in
94234 Viechtach in der Stadtpfarrkirche.
Trauerbilder
(PDF)
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MAXI- HILFT
Konto 344774200
Hypobank Cham
BLZ 74221170
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Liebe
leidgeprüfte Eltern, liebe Brigitte und lieber Walter, liebe Trauergemeinde,
ich
stehe hier vor Ihnen, und habe die bisher wohl schwierigste Aufgabe in
meinem Leben zu erledigen. Ich soll die Trauerrede für unseren über
alles geliebten Maximilian Stenzer halten. Ich bitte bereits jetzt um
Nachsicht sollte meine Stimme mal versagen.
Das Leiden unseres 16-jährigen Maximilians begann im Februar letzten
Jahres. Er klagte über extreme Müdigkeit schon am Morgen, die
dann den ganzen Tag über anhielt. Er jammerte nicht, hielt seinen
gewohnten Tagesablauf ein, ging zur Schule, trieb viel Sport, obwohl es
ihm schon sehr schwer fiel, er wollte ja fit bleiben für die kommende
Kartsaison. Er stand vor einer hoffnungsvollen Rennfahrerkarriere und
hatte bereits Angebote von namhaften Sponsoren die ihn fördern wollten.
Verträge waren schon ausgearbeitet, aber dazwischen stand eine unbekannte,
bösartige Krankheit.
Anhand der Blutwerte wurde eine überaus seltene Blutkrankheit diagnostiziert.
In Fachkreisen Myelodysplastisches Syndrom genannt. kurz MDS. Maxi und
den Eltern musste erst erklärt werden, um welche Krankheit es sich
handelt. Noch nie hatten sie davon gehört. Es handelt es sich hier
um eine leukämieartige, sehr heimtückische Krankheit, die noch
gar nicht erforscht ist. Bei Gesprächen mit den Ärzten in der
Uniklinik wurde uns gesagt, aus dieser MDS kann auch Leukämie werden,
aber diese Art Leukämie ist grausam und unheilbar. In Deutschland
treten nur ca. 40 Fälle im Jahr auf. Noch nicht einmal der Erreger
dieser hinterhältigen, teuflischen Krankheit ist bekannt. Meist ältere
Menschen werden von ihr befallen berichten Fachblätter, ja, ja meist
ältere, da gehörte Max wohl dazu.
An dieser Stelle möchte ich mit meinem Herrgott hadern, lieber Gott,
Du hast Dich in der Reihenfolge vertan, Du hast die natürliche Reihenfolge
nicht eingehalten, die Zeilen verwechselt. Hast Karten vertauscht, vielleicht
sogar Deine Brille verlegt, als Du die Karte zogst. es ist einfach unfair.
Alle Omas und Opas vom Max sind am Leben, erfreuen sich, eigentlich noch
recht guter Gesundheit. Lieber Opa und liebe Omas verzeiht mir bitte,
dass ich Euch zum Tausch angeboten , dass ich Euch alle lieber mit Max
ausgetauscht hätte. Seid mir bitte nicht böse. Sogar die Eltern
wären noch vorher an der Reihe, nur rein rechnerisch, und dann erst,
vielleicht in 40, 50, 60 Jahren kämen die Maximilians, oder wie sie
alle heißen, diese jungen lebenslustigen Kerle.
Zurück zur mörderischen MDS. Der Familie Stenzer wurden mehrere
Kliniken empfohlen, sie entschieden sich für die Universitätsklinik
im schwäbischen Tübingen. Sie werden es nicht glauben, Maximilian
freute sich schon auf die Klinik, denn je eher er hinkommt, umso eher
ist er wieder gesund, hoffte er, und kann dann wieder nachhause, in seine
geliebte Umgebung, zu seinen Freunden, in die Schule, in seine Heimat.
Im Juli letzten Jahres wurde zu einer Spendenaktion aufgerufen. Fast 1500
Personen hatten sich bereiterklärt Ihr Blut für eine mögliche
Transplantation typisieren zu lassen, Nahezu 65.000.--€ hatten wir
aus dieser Aktion der DKMS zur Verfügung stellen können. Wir
haben uns bei den Personen noch gar nicht bedankt, wir haben dies nicht
vergessen.. Wir wollten dies tun, nachdem unser Maximilian gesund aus
der Klinik entlassen worden wäre, zusammen mit einem großen
Bericht und der Schlagzeile „Dankeschön, Herzlichen Dank, durch
Ihr Mithilfe ist unser Max wieder da, und er ist gesund, und wieder daheim“.
Aber es kam ganz, ganz anders, und sehr tragisch.
Am 5. August nun wurde Maxi in die Klinik eingeliefert, selbstverständlich
waren seine Eltern bei ihm. Von diesem Zeitpunkt an war Maxis Mutter ununterbrochen
am Krankenbett Ihres geliebten Sohnes, unterbrochen durch kurze Nickerchen
in einer Liege neben Max. Sein Vater war nur mal einige Tage in Viechtach
um den dortigen Ausverkauf zu organisieren, ansonsten wachte er ebenfalls
hoffnungsvoll am Bett seines geliebten Sohnes, auf den er so stolz war.
Nun beginnt das Martyrium des Maximilian Stenzer in der Uniklinik in Tübingen.
Ich berichte jetzt aus dem Tagebuch, besser gesagt aus dem Leidensbuch
Maximilians. Von den 159 schweren Tagen in der Klinik, die für Maxi
doch voller Hoffnung waren. Aus dem Buch, das er zusammen mit seinem Vater
angelegt hatte, mit dem Gedanken, wenn ich wieder gesund bin, werde ich
ab und zu daraus lesen, ließ er aufschreiben. Von Maximilian sprach
der leitende und behandelnde Chefarzt der Uniklinik, Maxi ist ein Kämpfer,
und den kriegen wir wieder hin, er ist sehr geduldig, tapfer und rundum
ein netter Bursche, ein Engelskind, sagte er zu seiner Mutter.
Dieses Buch beinhaltet Berichte über fast ein halbes Jahr Klinikaufenthalt.
1. Tag: Endlich komme ich ins Krankenhaus, das bange
Warten hat ein Ende, jetzt geht’s ans Gesundwerden. Freu mich schon.
2. Tag: Die Chemotherapie beginnt, diese ist scheinbar
so giftig, dass die Schwestern spezielle Schutzhandschuhe tragen müssen.
6. Tag: Die Chemotherapie zeigt Wirkung. Übelkeit,
Erbrechen und Magenbeschwerden stellen sich ein, eine furchtbare Plage,
geht auch wieder vorbei.
10. Tag: Habe erste Stammzellen erhalten, ein neues Leben
beginnt.
13. Tag: Die Haare fallen langsam aus, macht nichts,
die kommen wieder, dann kann ich mir eben im Moment das Kämmen sparen,
auch gut, sieht aber schon blöd aus.
14. Tag: Komisch, vor dem Gesundwerden müssen scheinbar
die Blutwerte in den Keller rauschen. Ich bekomme Morphium, habe keine
Schmerzen mehr, aber den ersten Rausch in meinem Leben, auch mal schön.
Wir Großeltern aus Vilshofen haben um täglichen kurzen Bericht
gebeten, über Maximilians Zustand. Es war eine Berg- und Talfahrt,
nach positiven Meldungen, kam prompt einige Tage später wieder Negatives.
20. Tag: Die ersten Leukozyten sind da, es geht aufwärts,
Gott sei Dank.
27. Tag: Hurra, ich darf die Klinik schon für kurze
Zeit verlassen. Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig, Hoffnung
kommt auf. Draußen ist eine so schöne kühle Luft, ich
glaube, dass ich jetzt bis in die Zehen geatmet habe. So habe ich das
auch bald wieder, wenn ich gesund entlassen werde. Einfach schön.
35. Tag: Komisch, meine Blutwerte verschlechtern sich
wieder, warum. Fieber kommt hinzu.
43. Tag: Es stellt sich heraus, das diese Transplantation
fehlgeschlagen ist. Mein Körper hat Papis Stammzellen abgestoßen.
Hohes Fieber stellt sich ein, ich muss mich laufend erbrechen, habe Krämpfe
und kann nichts mehr essen. Man plant eine zweite Transplantation.
54. Tag: Ich bekomme eine zweite Chemotherapie, zusätzlich
werde ich jetzt noch massiv bestrahlt, weil sich angeblich mein Immunsystem
so wehrt. Die Bestrahlung war so anstrengend, Schwerer Schüttelfrost
stellt sich ein , hohes Fieber dazu, der Puls ist über 200. 4 Ärzte,
ein Notarzt, und 3 Schwestern legen mir Schläuche, Infusionen werden
mit Druck in meinen Körper gepumpt.
60. Tag: Ich erhalte die zweite Transplantation, von
meiner Schwester Xandi, dies wird mir helfen, sicher.
70. Tag: Habe schon schwer abgenommen, und mir ist immer
so schlecht und schwindlig. Auch weiß ich nicht mehr wie ich mein
Bett verstellen muss. Habe mittlerweile große Angst. Todesangst.
Ich hätte Mami nicht fragen sollen, ob ich jetzt sterben muss, denn
Sie und Papa haben fürchterlich geweint. Es tut mir leid.
77. Tag: Aufgrund der unendlich vielen Medikamente, haben
sich die Blutgefäße so verschlechtert, dass im Gehirn ein Äderchen
geplatzt ist, sich die erste Hirnblutung einstellte, wodurch ich linksseitig
gelähmt bin. Aufgrund der schlechten Blutgerinnung trauen sich die
Ärzte nicht zu operieren, ich werde in die Intensivabteilung verlegt.
Als sich eine zweite noch größere Einblutung im Gehirn einstellt
drängt Papi die Ärzte zur Operation, denn jetzt drückt
die Blutung an den Hirnstamm, jetzt besteht akute
Lebensgefahr. Jetzt sieht es schon schlecht aus für mich, die Ärzte
planen nur noch für 12 Stunden im Voraus.
80. Tag: Die Nieren beginnen zu versagen, ich muss an
die Dialyse, mittlerweile gehen 35 Schläuche in meinen Körper.
Ich bekomme eine spezielle Behandlung die weltweit erst an 50 Menschen
ausprobiert wurde, man will alles versuchen mich zu retten. In meinem
Krankenzimmer stehen mittlerweile 30 Apparate, die pumpen, tüten
schreiben und kontrollieren, es sieht aus wie in einer Werkstatt, und
ich bin der Maschinist.
91. Tag: Lange Zeit war ich in einem künstlichen
Koma. Endlich bin ich wieder aufgewacht, jetzt kann ich wieder selber
atmen, aber mich nicht mehr bewegen und auch nicht mehr sprechen. Die
Tage sind die Hölle, ein Unfall mit 120 Sachen mit dem Kart in einen
Reifenstapel ist ein Kinderspiel.
97. Tag: Seit Tagen darf ich nichts mehr trinken, weil
ich durch meine Lähmung nicht mehr schlucken kann, die Flüssigkeit
würde in die Lunge laufen, ich müsste ersticken. Jetzt kann
ich mich nicht einmal mehr selbst umdrehen, ich bin kaputt, vollständig
gelähmt. Trotzdem werden mir noch einmal Stammzellen von meiner Schwester
Alexandra übertragen.
106. Tag: Jetzt kann ich auch nichts mehr essen, aber
ich kann die Intensivstation nach 4 Wochen verlassen, für kurze Zeit
verlassen. Bald ist Weihnachten, aber dass wir alle zusammen ein wenig
feiern können, daraus wird nichts, ich bin zu schwach.
116. Tag: Meine Lungen werden jetzt von Bakterien angegriffen,
obwohl mich alle, Papi, Mami und Schwestern und Ärzte nur noch in
steriler Kleidung und mit desinfizierten Händen besuchen dürfen.
126. Tag: Die 2. Gehirnblutung, absolute Lebensgefahr.
Die Ärzte raten von einer Operation ab, zu gefährlich. Papi
besteht darauf, und es geht gut, jetzt bin ich vollständig gelähmt.
Der Tod war bereits hinter mir her, aber ich war schneller. Ich liege
auf Intensiv und werde künstlich beatmet.
137. Tag: Die Leber- und Nierenwerte werden immer schlechter.
Meine Kraft schwindet, ich habe nicht einmal mehr die Kraft selbst zu
atmen, ich werde künstlich beatmet.
141. Tag: Es ist Weihnachten und ich habe mir etwas Besonderes
gewünscht. Wasser soviel ich trinken kann, aber dieses Geschenk bringt
mir keiner. Ich bettle darum, aber keiner gibt mir was. Ich darf nichts
trinken, ich würde ersticken. Jetzt weiß ich was es heißt,
wenn Kinder in Afrika wegen Trinkwasser meilenweit gehen, ich würde
meilenweit mitgehen, nur um ein bisschen Wasser zu bekommen.
152. Tag: Meine Blutbahnen sind schon so mürbe,
dass ich aus allen Poren blute, mein Rücken ist eine einzige Blutblase,
jetzt kann ich kaum noch sprechen. Aber ich kämpfe trotzdem wie ein
Tiger, ich möchte wieder, nein ich muss wieder zu Kräften kommen,
auch wenn ich das Krankenhaus im Rollstuhl verlasse. Ich will leben. Aber
ich werde ins Koma gelegt und künstlich beatmet.
Anfang Januar sagt Prof. Handgretinger zu meiner Mami, sie müssen
sich jetzt mit dem Gedanken tragen, dass sie Max vielleicht nicht mehr
mit nachhause nehmen können. Ein unerwarteter, grausamer Tiefschlag.
Mami ist verzweifelt, weint bitterlich. Als Papi dies erfährt, haben
sich beide in den Arm genommen, waren wie erstarrt, und hs ben bitterlich
geweint.
159. Tag: Am 11. Januar 2008 hat mein Blut abgebaut,
die Giftstoffe explodieren, die Sauerstoffwerte sinken, der Blutdruck
fällt ins Bodenlose, es geht nun dem Ende zu.
Zwei Stunden vor meinem Tod, sagt die Stationsärztin zu meiner Mami:
Frau Stenzer legen sie sich zu Ihrem Sohn, drücken Sie ihn fest an
sich, er wird in Kürze sterben. Könnte ich jetzt noch was sagen,
ich würde meiner Mami sagen, „Mami ich hab Dich so lieb, sei
nicht traurig mir geht es bald besser“. Sie spürte meinen letzten
Herzschlag und wir lagen noch Stunden so zusammen.
Mami ich hab Dich lieb, immer und ewig.
Lieber Gott, ich bitte Dich behüte die Eltern, Walter und Brigitte,
es geht Ihnen wirklich nicht gut, steh Ihnen bei in diesen schweren Stunden,
verleih Ihnen die Kraft, dass sie diesen großen Schmerz einigermaßen
gut überstehen.
17. Januar 2008 Der Opa aus Vilshofen
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